OER-Bibliothekarin – Ein neues Berufsfeld?

Eine wachsende Anzahl an freien Lehr- und Lernmaterialien ist heute online verfügbar.
Während für Open Access entsprechende Policies, die den Umgang mit Veröffentlichungen regeln, selbstverständlich sind, befinden sich Bibliotheken im Bezug auf OER sozusagen im Blindflug: Nicht nur wissen Bibliotheken meist nicht wie mit diesen Materialien zu verfahren ist, sie kennen oftmals weder OER noch sind sie vertraut mit der Kultur der Offenheit, die für den Umgang mit den Materialien die Grundlage bildet. Bibliothekarinnen und Bibliothekare, die sich auf diesem Gebieten weiterbilden, könnten in Zukunft als OER-Bibliothekare wichtige Aufgaben im Zusammenhang mit freien Bildungsressourcen übernehmen.

Bibliotheken können jede Art von Online-Lehr- und Lernmaterialien in ihren Katalogen verzeichnen und sie durch entsprechende Kennzeichnung suchbar machen. Auch können Bibliotheken Unterstützung dabei leisten, selbst Inhalte zu gestalten und als offene Materialien zu veröffentlichen, bspw. In Form von Videos, Online-Vorlesungen und Knowledge-Clips.

Weitere Aufgaben für Bibliotheken mit OER wären:

  • Beratung von Lernenden/Studierenden dazu, wo sie ggf. offen/frei verfügbare Alternativen zu Lehrbüchern finden
  • Lehrende und Lernende dazu zu beraten, wo weiterführende Informationen, Materialien und weitere Kurse zu ihrem Thema zu finden sind
  • Lehrende die Kurse/Unterricht vorbereiten dazu zu beraten, wo vergleichbare Materialien zu finden sind die nachgenutzt und an die eigenen Bedarfe angepasst werden können
  • Unterstützung bei der Erstellung eigener Materialein z.B. durch Beratung zu Datenformaten und Lizenzierung.

Voraussetzung dafür ist, dass freie Bildungsmaterialien als Teil des Bestandes sowie in Beratung und Vermittlung eine Selbstverständlichkeit werden.
Die Anzahl an Online-Kursen (MOOCs), OER und anderen offenen Formate steigt ständig. Ein erster Schritt zur Akzeptanz von freien Bildungsmedien durch Bibliotheken wäre, offene Materialien im Katalog zu verzeichnen. Sie müssen kuratiert, mit Metadaten versehen und somit auffindbar gemacht werden. Bibliotheken können mit vorhandener Infrastruktur und Kompetenzen auf diesen Gebieten punkten.

Viele Universitäten und Fachhochschulen verfügen bereits Open-Policies und setzen diese um. Schulen und andere Bildungseinrichtungen werden folgen. Aufgabe von OER-Bibliothekarinnen könnte auch sein, sich für die Entwicklung und Umsetzung einer Open-Policy in ihrer Institution oder Einrichtung einzusetzen.

Die Hochschulen verfügen mit den angeschlossenen Bibliotheken über Einrichtungen, die Aufgaben wie das Kuratieren und die OER-Beratung übernehmen können. Außerhalb der Hochschulen fehlt diese Infrastruktur bisher. Schulen, Weiterbildungsanbieter usw. verfügen selbst nicht über Infrastrukturen, die einen ähnlichen Service bieten und bereitstellen könnten. Hier sollten die Öffentlichen Bibliotheken aktiv werden und als Partner von Schulen und Bildungseinrichtungen mit diesen kooperieren, die bereits vorhandene Infrastruktur nutzen und damit die Verbreitung von OER und generell offenen Materialien unterstützen.

Praxis-Beispiel – OER-Bibliothekarinnen

Immer mehr amerikanische Bibliotheken haben eine neue Art von Bibliothekarin/Informationsspezialistin in ihrem Team: OER-Bibliothekarinnen helfen Mitarbeitenden an Universitäten und Hochschulen offene Bildungsressourcen zu finden, zu nutzen und, falls gewünscht, auch sie zu erstellen und zu verbreiten. OER-Bibliothekare nutzten unterschiedliche Suchmethoden um relevante Lehr- und Lernmaterialien für Lehrer und Forscher zu finden. Aus den Treffern werden dann Listen erstellt, die schließlich über Blogposts oder die Bibliothekswebseite frei zur Verfügung gestellt werden.

An der California State University werden Listen frei verfügbarer eBooks mit von der Bibliothek erworbenen Lizenzen abgeglichen. Frei verfügbare Medien können eine Alternative für Studierende bieten, die sich die teuren Lehrbücher nicht leisten können. Die California State University hat ebenfalls den Prozess der Literaturrecherche dahingehend angepasst, dass OER und andere freie Materialien bei Recherchen immer mit gesucht und die Ergebnisse der Trefferliste hinzugefügt werden.

Ähnlich kann auch in Öffentlichen Bibliotheken verfahren werden: die Suche nach freien Materialien für Lehrende und Lernende sollte standardmäßig erfolgen, wenn zu einzelnen Themen recherchiert wird. Die gefundenen freien Materialien gehören anschließend auf Literatur- bzw- Trefferlisten mit ausgegeben.
Notwendiges Wissen zur Lizenzierung der Materialien kann vermittelt werden, indem auf einschlägige Veröffentichungen und Tools zur Unterstützung verwiesen wird.

Für Öffentliche Bibliotheken spricht sehr vieles dafür, sich mit freien Bildungsmedien zu beschäftigen und diese auf die eine oder andere Weise in Bestand und Vermittlung zu integrieren. Eine Aufgabe von OER-Bibliothekarinnen wäre es insbesondere auch, sie dabei zu unterstützen.


Quellen:

Wijngaarden, Hilde van; Vernimmen, Frederike: Where Is The Dutch OER Librarian? In: 2015 Open and Online Education Trend Report – Perspectives On Developments In Dutch Higher Education. URL: https://www.surf.nl/binaries/content/assets/surf/en/knowledgebase/2015/trend-report-open-and-online-education-2015.pdf

Wijngaarden, Hilde van: De OER Librarian – Library track’ op de OpenEd in Washington. URL: https://www.surfspace.nl/artikel/1716-de-oer-librarian/

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