Öffentliche Bibliotheken, OER und Open Library Badge

Anfang des Monats startete ein Team rund um den Initiator Gerald Langhanke das Projekt Open Library Badge. Hervorgegangen ist die Initiative aus der Openness-Checkliste, die Felix Lohmeier im Frühjahr anhand von Vorschlägen aus dem Kreis von Bibliotheken zusammengestellt hatte.

Ziel der Initiative ist es ein Anreizsystem für Bibliotheken zu schaffen, das Konzept der Offenheit zu verfolgen. Der Begriff Offenheit umfasst hier die Aspekte Zusammenarbeit, Transparenz, Teilen und Ermöglichung von Selbstbestimmung.

Für die erfolgreiche Bewerbung um ein Badge müssen Bibliotheken nachweisen, dass sie mindestens drei der zehn definierten Kriterien erfüllen.
Die Kriterien orientieren sich auf den ersten Blick vorrangig an den Bedingungen Wissenschaftlicher Bibliotheken, was darin begründet liegt, dass praktisch keine Vertreterinnen und Vertreter aus Öffentlichen Bibliotheken an der Entstehung der Liste beteiligt waren1.
Dennoch sind aus meiner Sicht mindestens drei Kriterien formuliert, die Öffentliche Bibliotheken mit relativ geringem Aufwand erfüllen können, um sich als Offenheit praktizierende Einrichtung zu präsentieren:

Fotos der eigenen Einrichtung unter einer CC-Lizenz zur Verfügung stellen
Von der Bibliothek gemachte Fotos können unter einer Open-Definition-konformen Lizenz z.B. auf der eigenen Webseite, bei Flickr oder bei Wikimedia Commons veröffentlicht und damit für die Allgemeinheit nachnutzbar gemacht werden.

Schulungsmaterialien als OER veröffentlichen

Präsentationsfolien und Schulungsmaterialien der Bibliothek unter offenen Lizenzen zur Nachnutzung bereitstellen. Auch hier bietet sich die eigene Webseite für die Veröffentlichung an, aber auch bei z.B. tutory.de erstellte Arbeitsblätter für Führungen, Schulungen und Veranstaltungen sind OER.

Nutzerinnen und Nutzer einbinden
Workshops und/oder Wettbewerbe mit Nutzerinnen und Nutzern der Bibliothek zur Verbesserung der Dienstleistungen durchführen. Hierfür sollte ein Workshop oder ein Wettbewerb unter Beteiligung von Nutzerinnen und Nutzern durchgeführt und öffentlich (z. B. im Blog) dokumentiert worden sein.


1 Wie in den Zielen der Initiative formuliert, ist die Weiterentwicklung der Kriterien ein andauernder Prozess und das Einbringen weiterer Anregungen und Ideen ist ausdrücklich erwünscht.

Clip zu OER in Öffentlichen Bibliotheken beim bibtag16

Zum ersten Mal wurde für den Bibliothekskongress in Leipzig dazu aufgerufen, einen Clip von maximal 3 Minuten Länge zu einem beliebigen Thema einzureichen. Wir haben das kurzentschlossen getan. Wie Jürgen es ja im Vorfeld schon angekündigt hatte, haben wir die von uns erstellte Prezi, aus der für die Veröffentlichung ein YouTube-Video gemacht worden ist, dann in Leipzig vorgestellt.

Voilà.

OER bei Amazon – aber nicht in (Öffentlichen) Bibliotheken?

Heute ist im Blog der Transferstelle für OER zu lesen, dass Amazon mit einer Plattform für freie Lernmaterialien starten wird. Amazon Inspire soll als Beta innerhalb der nächsten 2 – 3 Monate zunächst in den USA in Betrieb gehen.

Neben Funktionen wie einer Suche nach Materialien, Filterung nach Bereichen und Kategorien, Qualitätsbewertung, Reviews und persönlichen Empfehlungen sollen laut EdWeek OER, die auf Amazon Inspire hinzugefügt werden, auch mit Metadaten angereichert werden. Lehrende können auf Amazon Inspire eigene Materialien veröffentlichen, kuratieren und ihre digitalen Schulbibliotheken zur freien Nutzung und Nachnutzung zur Verfügung stellen. Das Angebot wird, so Amazon, kostenlos sein und soll es auch bleiben.

Wie im Blog der Transferstelle OER nebenbei angemerkt, wird eine Plattform, auf der Materialien veröffentlicht, gesammelt, organisiert und vor allem gefunden werden können in Deutschland bislang lediglich als mögliche staatliche Aufgabe diskutiert. In Bibliotheken, deren Aufgabe das Sammeln, Erschließen und Zugänglichmachen von Inhalten ist, wird – bis auf wenige Ausnahmen – bis heute nicht einmal diskutiert, ob OER ein Thema für sie sind oder es sein sollten.

Sie sollten es. Aus guten Gründen, wie ich meine (hier nachzulesen). Öffentliche Bibliotheken können mit OER z.B. innerhalb ihrer Kommune Teil einer lebendigen Bildungsgemeinschaft werden und sich als Lernorte und Bildungspartner am Ort positionieren. Sie können über OER informieren und Akteure im Bildungsumfeld zusammen bringen oder bereits vorhandene Netzwerke unterstützen, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.