Open Educational Resources (OER) auf dem Bibliothekskongress #bibtag16

Wenn ich es recht sehe, spielen OER im Hauptprogramm des Bibliothekskongresses keine Rolle. Das ist nicht die Schuld des Programmkomitees, denn es kann nur buchen, was vorgeschlagen wird. Und ich war davon ausgegangen, dass Jan Neumann etwas anbietet. Da dies aber nicht der Fall ist, hier zwei Vorschläge, um OER zur Kenntnis zu nehmen, der eine kurz, der andere länger:

  1. Clip „OER in Öffentlichen Bibliotheken“ von Gabriele Fahrenkrog und Jürgen Plieninger. Wird präsentiert am Mittwoch an zweiter Stelle der Clippräsentation, die um 13.00 h beginnt. Der Ort ist das Podium der Verbände.
  2. Vortrag im Rahmen der öffentlichen Arbeitssitzung der Kommission für One-Person Librarians des BIB „“Open Educational Resources in One-Person Libraries“ von Jürgen Plieninger am Mittwoch, 16.03.2016, 09:00 h ff. im Bankettraum 4. Der Vortrag dauert ca. 20-25 Minuten, danach ist noch Aussprache. Der OPL-Bezug ist zwar da, im Vordergrund stehen aber die OER.

Interview (Video) zum OER-Festival 2016 und Tipps für Bibliotheken

Gerade veröffentlichte die Bundeszentrale für Politische Bildung ein kurzes Interview mit Jöran Muuß-Merholz (Transferstelle für OER) zum OER-Festival 2016. Neben vielen Informationen zum Festival, dem OER-Camp, das am 28. und 29.02. stattfindet und dem OER Fachforum am 01.03. (ab Min. 4:16), gibt es zu Beginn des Interviews Antworten auf grundlegende Fragen zu OER.
Jöran Muuß-Merholz erklärt hier sehr anschaulich in aller Kürze,
– was OER sind
– OER und Lizenzen
– die Bedeutung von OER in der Bildungspolitik
– OER im Bereich der non-formalen Bildung.

Für Bibliotheken gibt es ein paar interessante Hinweise darauf, an welchen Stellen wir mit OER auf welche Weise aktiv werden können.

Betrachten wir, wie Muuß-Merholz anregt, OER als Teil einer Antwort, nicht einer Frage, finden sich leicht ein paar Beispiele, wie wir OER in unsere eigene Arbeit einbeziehen können.

Wie können wir eigene Arbeiten und Materialien online bereit stellen?
OER kann Teil der Antwort sein, indem wir die Materialien (Schulungsunterlagen, Veranstaltungskonzepte, Lehrvideos u.ä.) unter freier Lizenz zur Nachnutzung und Weiterbearbeitung online veröffentlichen.

Wie können wir als Team zusammen arbeiten und Materialien austauschen?
OER kann Teil der Antwort sein, denn unsere unter freier Lizenz veröffentlichten Materialien eignen sich für den Austausch und für eine kollaborative Nachbearbeitung und Weiterentwicklung.

Fragen wir uns, wie können wir Materialien für Lernende in Schulungen und Veranstaltunegn bereitstellen?
OER kann Teil der Antwort sein, denn sie eröffnen die Möglichkeit, dass Lernende Inhalte nicht nur ‚konsumieren‘, sondern mit den Materialien selbst aktiv werden.

Ein weiterer spannender Punkt in diesem Interview ist der Hinweis auf den Bereich der non-formalen, nicht zielgerichteten Bildung, in dem es eine wachsende Zahl als OER veröffentlichter Materialien gibt, von denen viele auch für die Vermittlung in Bibliotheken geeignet sind. Ein Beispiel wäre der am 04.04.2016 erneut startende Online-Kurs „Gratis online lernen„.
In dem als xMOOC konzipiertem Kurs wird gezeigt wie es am besten gelingt, sich kostenfrei mit dem Internet weiterzubilden und es werden Tipps und Tricks zum erfolgreichen Selbstlernen und beim Suchen von hilfreichen Videos, von kostenfreien Kursen oder anderen Lernangeboten gegeben.
Die Materialen zum Selbstlernen stehen unter freier Lizenz online zur Verfügung. Bibliotheken können hier aktiv werden, indem sie sich bspw. als Ausgabestellen für die Arbeitshefte registrieren und den Kurs innerhalb der (Bildungs-) Beratung begleitend bewerben und vermitteln.

OER bei Amazon – aber nicht in (Öffentlichen) Bibliotheken?

Heute ist im Blog der Transferstelle für OER zu lesen, dass Amazon mit einer Plattform für freie Lernmaterialien starten wird. Amazon Inspire soll als Beta innerhalb der nächsten 2 – 3 Monate zunächst in den USA in Betrieb gehen.

Neben Funktionen wie einer Suche nach Materialien, Filterung nach Bereichen und Kategorien, Qualitätsbewertung, Reviews und persönlichen Empfehlungen sollen laut EdWeek OER, die auf Amazon Inspire hinzugefügt werden, auch mit Metadaten angereichert werden. Lehrende können auf Amazon Inspire eigene Materialien veröffentlichen, kuratieren und ihre digitalen Schulbibliotheken zur freien Nutzung und Nachnutzung zur Verfügung stellen. Das Angebot wird, so Amazon, kostenlos sein und soll es auch bleiben.

Wie im Blog der Transferstelle OER nebenbei angemerkt, wird eine Plattform, auf der Materialien veröffentlicht, gesammelt, organisiert und vor allem gefunden werden können in Deutschland bislang lediglich als mögliche staatliche Aufgabe diskutiert. In Bibliotheken, deren Aufgabe das Sammeln, Erschließen und Zugänglichmachen von Inhalten ist, wird – bis auf wenige Ausnahmen – bis heute nicht einmal diskutiert, ob OER ein Thema für sie sind oder es sein sollten.

Sie sollten es. Aus guten Gründen, wie ich meine (hier nachzulesen). Öffentliche Bibliotheken können mit OER z.B. innerhalb ihrer Kommune Teil einer lebendigen Bildungsgemeinschaft werden und sich als Lernorte und Bildungspartner am Ort positionieren. Sie können über OER informieren und Akteure im Bildungsumfeld zusammen bringen oder bereits vorhandene Netzwerke unterstützen, um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen.

 

Bibliotheken erstellen selbst OER – Lizenzierung

Schon jetzt werden in Bibliotheken Materialien zu unterschiedlichen Schulungen und Veranstaltungen erstellt, die – ohne explizit als OER ausgewiesen oder unter freier Lizenz veröffentlicht zu sein – häufig zur weiteren Nutzung und Bearbeitung weitergegeben werden. Diese Materialien selbst sind dafür geeignet, als freie Ressourcen veröffentlicht zu werden, wofür allerdings Kenntnisse über die Möglichkeiten der Lizenzierung die Voraussetzung sind. Wer eigene Materialien als OER zur Verfügung stellen oder wer Materialien für eigene Zwecke angepasst nachnutzen möchte, sollte Creative Commons kennen und anwenden können. Darum hier eine kurze Einführung in die derzeit gültigen Lizenzverträge. Am Ende des Beitrags finden sich Hinweise auf weiterführende Informationen zum Thema.

Creative Commons bietet derzeit sechs international gültige Lizenzierungsverträge, die sich aus vier Rechte-Modulen ergeben:

pict-by BY – Namensnennung (Attribution) Die Nennung des Autoren wird seit Version 2.0 immer vorausgesetzt.

pict-nc NC – Nicht kommerziell (Non-Commercial)
 Hiermit entscheidet der Urheber, ob sein Werk auch zu kommerziellen Zwecken verwendet werden darf.

pict-nd ND – Keine Bearbeitung (No Derivates)  Der Autor, die Autorin schließt mit diesem Modul die Bearbeitung seiner schöpferischen Leistung aus.

pict-sa SA – Weitergabe unter gleichen Bedingungen (Share Alike)
 Falls die Veränderung gestattet wird, kann hier veranlasst werden, dass das resultierende Werk ebenfalls über dieselbe CC-Lizenz wie das Ursprungswerk zur Verfügung gestellt wird.

Die Möglichkeiten die Lizenzen zu kombinieren sind überschaubar. Eine schnelle Übersicht und Orientierung bietet diese Grafik:

infografik_auswahl_cc_lizenz-900x636
(Infografik „Welches ist die richtige CC-Lizenz für mich?“ (Grafik von Barbara Klute und Jöran Muuß-Merholz für wb-web unter CC BY SA 3.0, http://open-educational-resources.de/wp-content/uploads/sites/4/2015/12/infografik_auswahl_cc_lizenz.jpg))

Schlicht und auf den ersten Blick gut verständlich ist die Grafik in den Folien zur Präsentation ‚GOING OPEN‘: The Case for OER & Open Policies‚ von Cable Green, auf die Jürgen hier im Blog schon an anderer Stelle hingewiesen hatte:

going-open-the-case-for-oer-open-policies-29-638
(Grafik von Cable Green bei Slideshare (Folie 29) unter CC BY, http://de.slideshare.net/cgreen/going-open)

Kurz, knackig und gut aufbereitet ist auch das Video (4:11 Min.) der Transferstelle OER ‚Bilder unter freier Lizenz nutzen – weit verbreitete Fehler und wie man sie vermeidet!‘

Ergänzend dazu steht eine Checkliste zur Verfügung die helfen soll, verbreitete Fehler im Zusammenhang mit einer CC-Lizensierung zu vermeinden.


 

Weiterführende Informationen:

Open Content – Ein Praxisleitfaden zur Nutzung von Creative-Commons-Lizenzen (PDF)

CreativeCommons.org: Was ist Creative Commons?

Netzpolitik.org (2010): Comic erklärt Creative Commons

Etwas älter (2007), Rechtsanwalt Thomas Schwencke: Creative Commons einfach erklärt (in vier Teilen)